Presse
Den Anbruch der Moderne spüren

| Datum: | 23. September 2011 |
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| Zeitung: | Dürener Zeitung |
Begeisterte die Zuhörer auf Schloss Burgau mit seinem Klavierabend „Liszt
und mehr": Pianist Heribert Koch aus Langerwehe. Foto: Hahn
Heribert Koch eröffnet die neue Spielzeit der Cappella Villa Duria
Er ist in der Region und darüber hinaus kein Unbekannter: Heribert Koch, Pianist und Klavierpädagoge aus Langerwehe, gehört zu den prägendsten Gestalten der aktuellen Klassikszene. Trotzdem lässt er Freunde seiner Kunst immer wieder erstaunen: mit Uraufführungen von bisher unaufgeführten Meisterwerken prominenter Komponisten, aber auch wegen großer Kraftanstrengungen als Solist. Verbunden hat der Künstler beiden Tendenzen seines Schaffens beim Eröffnungskonzert der Spielzeit 2011/12 der Cappella-Villa-Duria. Ein gespannt lauschendes Publikum im Turmsaal von Schloss Burgau fesselte Koch unter dem Titel „Liszt und mehr" mit einem sehr dichten Gewebe von Kompositionen aus der Feder des Komponisten selbst und aus seinem - geistigen wie persönlichen Umfeld.
Zum Auftakt des Solokonzertes erklang mit dem „Liebestraum" in der Klavierfassung von 1850 einer der Ohrwürmer aus der Feder Liszts. Dass ein solcher Meister der Tonkunst seine Wurzeln hat, rückte danach dessen Klavierbearbeitung von Bachs Orgelfantasie und Fuge in g-Moll (BWV 542) den Zuhörern ins Bewusstsein. Die „Deux Melodies à Félicité" von César Franck steckten das weitere Umfeld der Zeitgenossen ab. Das alles interpretierte Heribert Koch, dem fein perlenden Fluss der Melodie folgend, mit klarem pianistischen Gestus und deutlichem Gestaltungswillen. Diese Eigenschaft seines von der technischen Seite her über alle Zweifel erhabenen Spiels wurde gleichfalls bei Kochs Interpretation der Elegie „Die Zelle in Nonnenwerth" in der Fassung von 1884 deutlich. Koch gab alles, um den gesamten Empfindungsreichtum der Partitur offen, zu legen. Noch stärker wirkte der Eindruck, den Liszts einsätzige h-Moll-Sonate hinterließ. Wer wollte und es vermochte, konnte hier den Anbruch der Moderne in der allmählichen Auflösung der Tonalität spüren. Koch jedenfalls zeigte am Flügel eine enorme intellektuelle und virtuose Leistung. (ch)
