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Oratorienkonzert: Leidenschaft, Erregung, Stille und Andacht

Datum:23. October 2007
Zeitung:Dürener Zeitung
„Cappella Villa Duria" und Solisten glänzen in Marienkirche mit Mendelssohn Bartholdys „Ellas". Stehende Ovationen der Zuhörer.

Die „Cappella Villa Duria“ überzeugte mit einer beispielhaften Darstellung des „Elias“ (v.l.): Marion Schoeller, Beatrix Bardy, Dominik Wortig und Kay Stiefermann   Foto: Koizlik

Von Anne Koizlik

Es war ein großer Wurf: Die „Cappella Villa Duria" bot un­ter der Leitung von Johannes Essei in der Marienkirche den „Elias" von Mendelssohn Bartholdy. Es war eine jener Aufführungen, die man kaum ohne innere Bewegung erlebt. Die Zuhörer, die das Haupt­schiff der Kirche besetzten, dank­ten nach dem Schlusschor zu Recht mit stehenden Ovationen.

„Elias", eines der großen Chor­werke des 19. Jahrhunderts, dem Klassizismus wie der Romantik gleichermaßen verpflichtet, wur­de 1846 in Birmingham uraufge­führt. Es besteht aus zwei Teilen zu je 22 Abschnitten. Der Text des Oratoriums ist dem Alten Testa­ment entnommen und rankt um die Gestalt des Propheten Elias. Der Enthusiasmus, den die Zuhö­rer dem Werk bei der Urauffüh­rung entgegenbrachten, zeigte Nachwirkungen auch bei dieser Darstellung: einem. muss für Chormusik-Freunde.

Etwa 100 Sänger
Eine wichtige Aufgabe fällt beim „Elias" fällt dem Chor zu. Die etwa 100 Sängerinnen und Sänger der „Cappella" überzeugten mit ei­nem farbigen, sehr sicheren Ge­sang; Leidenschaft und Erregung, aber auch Stille und Andacht wur­den in blühenden Farben darge­stellt. Stilistisch sicher und stimm­lich makellos agierten auch die Solisten.
Die Aufführung des „Elias" steht und fällt mit der Besetzung der Titel-Partie. Dabei gelang dem Di­rigenten mit Kay Stiefermann ein wahrer Glücksgriff. Der Bariton verfügte über eine geschmeidige Stimme von mitreißender Aus­drucksfähigkeit. Aber auch die üb­rigen Solisten zeichneten sich durch einen makellosen Melodiefluss aus: Marion Schoeller (So­pran I), Katharina Knoll (Sopran II), Hiltrud Jörres (Alt I), Beatrix Bardy (Alt II) und Dominik Wortig (Tenor).

Eine besondere Feinheit dieser Aufführung bestand darin, dass die Partie des Knaben nicht, wie vielfach üblich, mit einer Sopranistin, sondern mit dem zwölfjährigen Johannes Feltes, einem Mitglied des Aachener Domchores, besetzt war, der seine Sache sehr gut machte.
Noble Größe und eine magische Anziehungskraft zeichneten auch das Orchester der „Cappella“ (Konzertmeister Kurt Collinet) aus. Es erreichte eine Klangbalan­ce von lichter Klarheit und Trans­parenz. Johannes Esser erwies sich als berufener Mendelssohn Bartholdy-Dirigent. Er brachte die Dramatik der Szenen auf den Punkt. Dabei spürte er außeror­dentlich sensibel den stilistischen Eigenheiten der Komposition nach.

Im Publikum saß einer, der es wissen muss: Kammersänger Kurt Moll. Er bekannte offen, dass er selten eine solche Aufführung ge­hört habe. Alles in allem: ein Abend, den man in Düren nicht so schnell vergessen wird.

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