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Ein Abend der großen Gefühle

Datum:14. May 2008
Zeitung:Dürener Zeitung
Stehende Ovationen für Marion Schoeller, Andy Miles und Jürgen Reimann

Mit Stimme und Temperament: Marion Schoeller (Sopran) und Jürgen Reimann (Klavier) beim Burgauer Schlosskonzert.   Foto: Koizlik

Beim Burgauer Schlosskonzert der Cappella Villa Duria am Pfingstmontag
ging es „innen und außen" luxuriös zu:
Die Sopranistin Marion Schoeller
gestaltete im ersten Teil des Kon­zerts mit klangvoller und bewegli­cher Stimme einen Liederabend, danach Arien aus Oper und Ope­rette. In Andy Miles (Klarinette) fand sie einen kongenialen Part­ner und in Jürgen Reimann (Kla­vier) einen überaus versierten Be­gleiter.

Die Sängerin füllte die vorgetra­genen Texte mit musikalischem Leben. Ihr gelang eine überzeu­gende Verbindung von Wort und Ton. So verband sich schwebender Klang mit temperamentvollen Interpretationen: Singen und Sagen wurden eins. Bemerkenswert auch die Bandbreite von Stilen und Aus­drucksmitteln: Alles hatte künstle­risches Format; alles klang frisch und unverbraucht.

Der Höhepunkt des ersten Teils bildete zweifellos die Kantate „Der Hirt auf dem Felsen" für Sopran, Klarinette und Klavier von Franz Schubert. Die wesentlichen Aufga­ben waren dabei zwischen Singstimme und Soloinstrument ver­teilt, während das Klavier eine be­gleitende Funktion hatte. Es wurde zum Glanzstück für die Kolora­tursängerin und zum absoluten Glücksfall für den Klarinettisten.

Den „Türöffner" des Abends bil­dete ein Lied von Felix Mendessohn Bartholdy, das auch das Mot­to für dieses Konzert abgab: „Auf Flügeln des Gesanges". Es wurde fürwahr ein Abend der großen Ge­fühle: Im ersten Teil erklangen noch Kompositionen von Ludwig Spohr und Richard Strauss. Ein be­sonderer Höhepunkt des zweiten Teils war eine Arie aus Francis Poulencs Oper „Les Mamelles de The­resias". Dabei erklärt die Titel-Dar­stellerin, sie wolle sich der Vor­herrschaft der Männer befreien. Als sie ihre Bluse öffnet, fliegen ihre Brüste in Gestalt von Luftbal­lons davon. Dies setzte Marion Schoeller absolut gekonnt, leben­dig und anschaulich um.

Ihre Stimme von großer Struk­tur mit einem auch in den Höhen erstaunlichem Volumen war anschließend bei Kompositionen von Franz Lehár, George Gershwin und Leonhard Bernstein zu hö­ren. Für einen instrumentalen Hö­henflug sorgte der internationale agierende Andy Miles, ein Meisterseines Holzblasinstruments. Zu­sammen mit dem Pianisten er­klang eine „Fantasie Italienne" von Eugen Bozza und ein hinrei­ßendes Medley von George Gershwin.

Für diesen außergewöhnlichen musikalischen Pfingstausflug gab es minutenlangen Beifall der Zuhörer des gut besuchten Konzerts und stehend dargebrachte Ovatio­nen; als Dank hierfür zwei Zuga­ben, darunter „Spiel auf deiner Geige" von Robert Stolz.  (anik)

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