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Kirchenraum scheint mitzuschwingen

Datum:13. June 2008
Zeitung:Dürener Zeitung
„Cappella" überrascht mit mehrstimmigen Messteilen der Renaissance

Dass die „Cappella Villa Duria" immer wieder über­rascht, ist Musikfreunden be­kannt. So auch im letzten Konzert der Saison in St. Michael. Solisten, Kammerchor und ein hochkaräti­ges Instrumentalensemble spann­ten mit Chor- und Instrumental­werken einen Bogen über 500 Jah­re Musikgeschichte.

Als besonderer Schwerpunkt er­klangen gleich zu Beginn jeweils ein Satz aus fünf verschiedenen Messen von Renaissance-Kompo­nisten, deren Werke die Hochblü­te der Mehrstimmigkeit verkör­pern: Vom vierstimmigen „Kyrie" der Missa „Je suis desheritee" des Franzosen Gombert über das fünf­stimmige „Gloria" (Missa „A note Nere") des Franko-Flamen Cypriano de Rore, des ebenfalls fünfstim­migen „Credo" (Missa „Qual donna") des in Mons geborenen Or­lando di Lasso, des sechsstimmi­gen „Sanctus" und „Benedictus" des größten italienischen Renaissance-Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina bis zum siebenstimmigen „Agnus Dei" des Spaniers Victoria wurde ein kom­plettes Mess-Ordinarium vorge­führt, bei dem der Kammerchor mit seinen 13 Sängerinnen und 11 Sängern den Aufbau der Mehr­stimmigkeit so überwältigend ge­staltete, dass der Kirchenraum mitzuschwingen schien.

Ganz ohne Dirigent
Bemerkenswert dabei, dass dies ganz ohne Dirigent geschah, denn der Leiter der „Cappella", Johan­nes Esser, sang selbst mit im Tenor und führte das Ensemble nur mit leichten Handbewegungen.

Den großen Kontrast im Pro­gramm bildete das Schlussstück, ein „Kyrie-Christe" des Brasilia­ners Lindembergue Cardoso - ein Werk, das mit modernen Kompo­sitionsmitteln die Anrufe Kyrie eleison und Christe eleison ausdeutet. Flüstern, laut herausge­schrieene Wortfetzen, breite Klangcluster, verebbendes Flüs­tern des Chores, in das sich ähn­lich klanglich das Streichquintett hineinfügt, dazu eine mit lauten Tönen mahnende Posaune und die klare Sopranstimme von Ka­tharina Knoll: All das ließ die Zu­hörer beinahe erstarren.

Drei barocke Kompositionen (Oboenkonzert von Albinoni mit Vesna Jakimovski, Trompetensonate von Torelli mit Hub Nickel und Kantate von Telemann, bei der außer Katharina Knoll noch Jo­hannes Esser und Wolfgang Tombeux als überzeugende Solisten mitwirkten), ergänzten und run­deten ein Programm voller Gegen­sätze und Spannungen ab.

Das Konzert hätte mehr Zuhörer verdient gehabt. Wer da war, äu­ßerte sich mit stehenden Ovatio­nen, so dass der Chor alle mit dem wunderbaren Abendlied von Jo­seph Rheinberger entließ.

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