Presse
Orkanartiger Beifall für ein gewagtes Experiment

| Datum: | 21. October 2008 |
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| Zeitung: | Dürener Nachrichten |
Ina Hagenau war die Entdeckung des Abends mit einer hervorragenden Leistung in der Aufführung der Jazz-Version von Christoph Schönherrs „Magnificat". Foto: has
Die Cappella Villa Duria glänzt in der Marienkirche mit Gegensätzen: Bachs „Magnificat" die Jazz-Version von Christoph Schönherr gegenüber gestellt. Ina Hagenau gibt der Maria ein modernes Gesicht samt besonderer Stimme.
Ovationen nach Aufführungen der Cappella Villa Duria sind fast Standard, aber beim jetzigen Oratorienkonzert in der Marienkirche gab es Neues: In den orkanartigen Beifall mischten sich Begeisterungsrufe. Es war ein Konzert der Gegensätze, das das Publikum im sehr gut gefüllten Kirchenraum erlebt hatte, ein Kontrastprogramm, wie es dramatischer nicht hätte sein können.
Von der Spannung schienen auch die Kirchenglocken angesteckt worden zu sein, die während des Konzertes mit jubilierten. Sie schafften es aber nicht mit ihrem dröhnenden Klang, die Klangfaszination im Innenraum der Kirche nachhaltig zu stören, in dem die Cappella Villa Duria unter Leitung von Johannes Esser das „Magnificat" von Johannes Sebastian Bach und die Jazz-Vertonung „Magnificat - The Groovy Version of Ox" des Komponisten Christoph Schonherr aufführte.
Was im Vorfeld wie ein gewagtes Unterfangen wirkte, entfaltete sich zu einem harmonisch begeisternden Abend in außergewöhnlichem Barock und Jazz. „Magnificat anima mea" - „Meine Seele erhebt den Herrn", so beginnt der Lobgesang der Maria zu Beginn des Lukas-Evangeliums, einer der meistvertonten liturgischen Texte. Die Cappella Villa Duria verstand es glänzend, das Werk Bachs umzusetzen. Der Chor sang in einer perfekt harmonierenden Art, die überragende Sopranistin Katharina Knoll, die sehr guten Konstanze Meijer, Mezzosopran, und Lis Dorlöchter (Alt) sowie Axel Thoennes, Tenor, und Wolfgang Tombeux, Bass, sorgten für einen positiven Gesamteindruck.
Frohlockende Flöten
Ein Höhepunkt war der Auftritt der drei Sängerinnen im „Suscepit Israel". Nicht zu vergessen das Orchester, das sich ausgezeichnet präsentierte. Ob nun die hellen Trompeten, sanfte Celli, frohlockende Flöten, Bläser oder Streicher in den verschiedenen Sätzen tragende Kräfte waren, sie lösten ihre Aufgaben unter dem schwungvollen Dirigat glänzend.
Und nach einem kurzen Umbau entstand eine andere Musikwelt. Das „Magnificat" als moderne Jazz-Fassung, in einer bemerkenswerten Besetzung. Eine Jazz-Combo sorgte mit dem Orchester für den „Sound". Klassischer Jazz verband sich in Schönherrs Werk mit Elementen aus Rock, Latin, Swing und Gospel, der Rhythmus ging in die Beine. Am deutlichsten merkte man es dem erstklassigen Chor an, der im „klassischen Teil" noch fast wie angewurzelt da stand, und nun „mitging".
Das Publikum wollte wohl, traute sich aber zunächst nicht. Ein Glanzpunkt war Ina Hagenau, die sehr präsent wirkte und mit ihrer Aufsehen erregenden Stimme der Maria ein modernes Gesicht gab, die, wie es Schönherrs Anspruch ist, einerseits „vor Glückseligkeit jubelt und s(ch)wingt, andererseits aber in der Formulierung ihres Gottesbildes eindeutig Partei ergreift für die Armen und Bedürftigen". Das Publikum war von der Darstellung gefesselt, die Anspannung löste sich erst nach dem letzten Ton. (has)
