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Faszinierende Geschichten in Klangsprache

Datum:27. January 2009
Zeitung:Dürener Zeitung
Pablo Campora und Gonzalo Gravina aus Uruguay fesseln Zuhörer in Schloss Burgau mit Gitarre und Klavier. Tango und mehr.

Von Christoph Hahn

„Ist hier nie was los, oder sind wir wirklich so gut?" Schelmisch stellt Pablo Campora, Gitarrist und Conferencier in ei­ner Person, diese Frage an den Be­ginn des Konzertes, das er mit seinem musikalischen Partner Gonzalo Gravina (Klavier) in Schloss Burgau gibt. Erstens ist im Saal an historischer Stätte noch nicht einmal für den schlanksten Hering Platz - so überragend ist das Publikumsinteresse, dass lau­fend nachbestuhlt werden muss. Zweitens sind die beiden Musiker aus Uruguay seit Jahr und Tag gern gesehene Gäste im Konzertforum der „Cappella Villa Duria".

Campora und Gravina boten die klassische Musik ihrer südameri­kanischen Heimat (Tango, aber nicht nur) - mit hoher Intensität. Beide gaben alles - und stellten ziemlich bald fest, dass der Tango nicht im auf der anderen Seite des Rio de la Plata liegenden Argenti­nien, sondern selbstredend in Uruguay zur Welt gekommen ist.

Wiewohl Pablo Campora seine Musik beredt darzustellen wusste: Vor allem ließen er und sein Mit­streiter am Flügel die Klänge spre­chen. Viele Geschichten gab's, die die Musiker an der Gitarre zu er­zählen hatten. Turteltauben, schwarze Augen und dubiose Kneipen in Montevideo: Sie alle spielten - zumindest den Titeln und interpretierten Kompositio­nen nach - für ein paar Minuten im Saal des Schlosses eine Rolle.

So kam es, dass das Duo im Ver­lauf des rund zweistündigen Kon­zerts dem faszinierten Publikum von Liebe, Leiden und anderen Gefühlen berichten - nicht ge­schwätzig parlierend, sondern in der sehr viel aussagekräftigeren Sprache der Töne.

Dass das den beiden in Düren so beliebten Künstlern derart über­zeugend gelang, lag nicht nur an den geschickt ausgewählten Werken, sondern auch an der kulti­vierten Art des musikalischen Miteinanders, das Gitarrist und Pia­nist entwickelten. Viel wird im­provisiert, wohl auch aus der pro­funden Konzert-Erfahrung heraus. Viel ergibt sich aus dem Hören auf einander: Ein Thema wird sensibel eingeführt und steigert sich dann im Dialog zwischen Klavier und Gitarre zur tosenden Leidenschaft. 

Gravina und Campora entwi­ckeln und steigern jeden Tango im Wechselspiel. Kein Klang, keine Facette ist ihnen dabei wirklich fremd - zartes Zirpen ebenso we­nig wie stürmische Passion.

Der Tango ist bei diesem Schlosskonzert übrigens nur die „halbe Miete": Mit Lust und ver­sierter Kenntnis verstehen es die Musiker gleichermaßen, wichtige Stücke der mitteleuropäischen Musikliteratur in ein lateinameri­kanisches Gewand zu hüllen. Da beginnt bei der „Bonner Milonga" Beethovens „Für Elise" sinnenfroh zu tanzen, werden bei der „Candombé des Winters" Themen aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten" ver­wendet und vibriert das deutsche Volkslied „Ännchen von Tharau" im Samba-Gewand.

Pablo Campora und Gonzalo Gravina zuzuhören, ist eine wahre Lust. Kein Wunder, dass sich das Publikum jetzt schon auf das Wie­dersehen und -hören mit den bei­den Künstlern aus Uruguay freut. 

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