Presse

zurück zur Übersicht

Wände der Kirche zittern

Datum:01. April 2011
Zeitung:Dürener Zeitung
Eine imposante Kulisse, ein unter die Haut gehende Aufführung: Die Cappella Villa Duria zeigte bei Verdis „Messa da Requiem" große Klasse und wurde vom Publikum gefeiert.  Foto: Schmitz

Rund 200 Musiker stehen bei Verdis „Messa da Requiem" auf der Bühne in Marienkirche, Cappella Villa Duria lädt Chöre aus Essen ein.

Das Jüngste Gericht" ließ fast die Wände der Marienkirche erbeben. Die Zuhörer erlebten im umgebauten ehemaligen Gottes­haus eine opulente Aufführung von Verdis „Messa da Requiem". Es war gleichzeitig die Rückkehr der Cappella Villa Duria in ihr „angestammtes Domizil". Und zur Premiere brachten sie noch zwei Chöre aus Essen - Oratorienchor Essen und Collegium Vocale an St. Theresia - mit, sodass sich im Altarraum einschließlich des gro­ßen Sinfonieorchesters über 200 Musiker und Chorsänger aufhiel­ten. Eine Mammutaufgabe für Jo­hannes Esser als musikalischer Leiter, der die Aufführung zu ei­nem packenden, zeitweise massiven, mitnehmenden Klangerleb­nis dirigierte.

Ihm gelang es, Verdis extreme Kontraste zwischen Schreckensge­mälden und Heilsgewissheit deut­lich zu machen. Erdrückende Dra­matik wechselte mit lyrischer Verklärung ab. Großartig waren im­mer die „stillen Momente". Am Anfang schien es auch eine Experi­mentierphase zu sein. Zeitweise musterten Chor, Orchester und Solisten fortissimo bis zum Lirnit, als gelte es die Wand der Kirche so zu durchdringen, damit auch in der City die überwiegend glanz­volle Aufführung zu hören war.

Musikalische Explosionen
Dirigent Johannes Esser nutzte ge­schickt die Rhetorik von Verdis opernhafter Komposition und ließ Sängern wie Musikern Zeit, Phra­sen zu gestalten, Spannung aufzubauen und sie wie Eis schmelzen zu lassen. Trotz der musikalischen Explosionen hatte man nie das Gefühl, dass die Musik im italieni­schen Pathos oder dessen Sinn­lichkeit ersticken würde. Die Durchschlagskraft des Orchesters, die Chöre, die nicht nur zu po­wern wussten, sondern auch zu psalmodieren, zu deklamieren und bei A-cappella-Strecken ein homogenes Klangbild zeichneten, gaben der Aufführung intensive Präsenz. Keinen einfachen Stand hatten zettweise die Solisten, die im voluminösen Klang unterzugehen drohten, aber sich weitge­hend behaupteten. Vor allem in den „ruhigeren Passagen" ver­strömte das Quartett üppigen Wohllaut und enorme Ausdruckskraft. Marion Schoeller (Sopran) sang überragend die seelenvollsten Stellen der Komposition, Bea­trix Bardy gestaltete ihre Partie mit expressiver Anteilnahme aus, Nobuaki Yamamasu hatte sehr starke Momente und Thomas Bonni run­dete das Bild mit seinem samtigen und fülligen Bass ab.   (han)

 

zurück zur Übersicht